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Physiologischer Basischeck

Inhalte und Ablauf

An dieser Stelle möchten wir, dass du deine Gesundheit und deine Lebensumstände einmal ganz umfassend betrachtest. Denn unser Programm wird dir nicht helfen, wenn das dahinter liegende Problem vielleicht eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder eine Nebenwirkung eines Medikamentes ist. Unser Körper ist ein unglaublich komplexes Präzisionsobjekt und kleine Änderungen können das ganze Konzept durcheinanderbringen.

Daher werde ich dir jetzt verschiedene mögliche Bereiche erläutern, die Depressionen auslösen können, bzw. dein Wohlbefinden extrem negativ beeinflussen können.
WICHTIG! Wir sind KEINE Ärzte!!!
Bitte prüfe als erstes für dich, ob es an einer Stelle ein Thema geben könnte, und lass es dann von einem Arzt überprüfen.

Dieser Check ist wichtig, damit du für dich den richtigen und passenden Ansatz findest. Um es bildlich darzustellen: Wenn du mit deinem Auto losfährst und feststellst, dass es zum einen komische Geräusche macht und mehr Benzin verbrauchst, kannst du zwar öfter tanken gehen, und dir denken, dass es so ja geht. Du könntest aber auch dein Auto genauer ansehen, um dann festzustellen, dass der Reifen platt ist. Wenn du weiter mit plattem Reifen fährst, wird das längerfristig zu Folgeschäden führen.

 

Genauso ist es mit deinem Körper. Solltest du eine Unverträglichkeit haben, ein Medikament unwissentlich nicht gut vertragen oder eine Mangelerscheinung haben, hilft es nicht, wenn du in Meditationen versinkst oder Waldbaden machst. Daher unsere dringende Bitte, dich ärztlich einmal durchchecken zu lassen. Anhaltspunkte findest du hier:

 

1. Mangel an BDNF-Proteinen und zu viel Kynurenin durch Bewegungsmangel


Das Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF) ist ein entscheidendes Protein für das Wachstum neuer Gehirnzellen und Synapsen. Es gilt als zentraler Baustein unseres Gehirns. Je höher die BDNF-Konzentration, desto besser sind unsere Denk- und Merkfähigkeiten. Zudem fördert ein hoher BDNF-Spiegel positive Gefühle wie Freude, Zufriedenheit und Gelassenheit. Auch unsere Problemlösungsfähigkeit wird dadurch kreativer und effizienter.

Ein Mangel an BDNF wird mit Depressionen, Ängsten, Schlafstörungen und Burnout in Verbindung gebracht. Zudem scheinen Alzheimer und Epilepsie mit niedrigen BDNF-Werten assoziiert zu sein.

Zur Steigerung der BDNF-Produktion sind regelmäßige körperliche Bewegung, Sonnenlicht und eine ausgewogene Ernährung essenziell. Neue Erkenntnisse zeigen, dass das Joggen im Wald deutlich positiver wirkt als auf einem Laufband – vermutlich, weil sich beim Laufen im Freien die Augen mehr bewegen und wir automatisch dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, was die BDNF-Produktion zusätzlich fördert. Auch die Augenbewegung spielt eine Rolle: Beim Laufen im Wald schauen wir uns aktiv um, während viele auf dem Laufband in ihr Tablet starren. Es könnte hilfreich sein, das Tablet in eine bewegliche Halterung zu setzen, um die Augenbewegung zu fördern (oder du gehst einfach in den Wald!).

Was die Ernährung betrifft, so unterstützen folgende Lebensmittel die BDNF-Produktion: Omega-3-Fettsäuren (z.B. in Fisch, Leinsamen), Beeren, Nüsse, Samen, dunkle Schokolade (in Maßen), grünes Blattgemüse, Kurkuma, eiweißreiche und fermentierte Lebensmittel. Dabei gilt wie immer: alles in Maßen, denn auch gesunde Substanzen können in zu hohen Dosen schaden.

Kynurenin ist eine Aminosäure, die die Funktion unserer Nervenzellen beeinflusst und bei Überschuss mit Depressionen, Alzheimer und Schizophrenie in Verbindung gebracht wird. Es wird gefährlich, wenn Kynurenin die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann. Das gelingt vor allem bei einem Mangel an PGC-1α1, einem Protein, das in den Muskeln produziert wird, wenn diese ausreichend gefordert werden. Bewegung ist also auch hier der Schlüssel, um den Kynurenin-Spiegel im Griff zu behalten.

Kurz zusammengefasst: Ein gesunder Körper fördert einen gesunden Geist.

 

2. Medikamente, die als Nebenwirkung Depressionen auslösen können


Einige Medikamente können depressive Verstimmungen begünstigen oder verstärken. Dazu gehören:

      • Schilddrüsenmedikamente wie Thyroxin
      • Betablocker und Calciumantagonisten
      • Antidepressiva (bei deren Wirkmechanismus im Gehirn ist die Forschung noch nicht abschließend)
      • Hormontherapien in den Wechseljahren
      • Antibabypille
      • Magentabletten wie Pantoprazol oder Omeprazol
      • Asthmamedikamente (z.B. Montelukast)
      • Antibiotika
      • Cortison
      • Medikamente gegen Epilepsie
      • Appetitzügler
      • Migränemittel
      • Medikamente gegen Hepatitis, Malaria
      • Cholesterinsenker
      • Medikamente gegen hormonbedingten Haarausfall
      • Medikamente zur Rauchentwöhnung
      • Medikamente zur Akne Behandlung

Wenn du eines oder mehrere dieser Medikamente einnimmst, sprich unbedingt mit deinem Arzt, ob es Alternativen gibt oder ob du auf bestimmte Medikamente verzichten kannst.

 

3.Lebensmittelunverträglichkeiten


Ja, Ernährung ist mittlerweile eine Ersatzreligion, mit sich bekämpfenden Glaubensrichtungen. Gluten, Fruktose, Fruktane, Lactose, Zucker, Kohlenhydrate…
Wer ist schuld, welcher Verzicht bringt „das Heil“?

Lebensmittelunverträglichkeiten sind schwer festzustellen. Eine klare Diagnose für eine Glutenunverträglichkeit ist beispielsweise nur durch eine Gewebeprobe feststellbar, die bei einer Darmspiegelung entnommen wird. Nicht die allererste Wahl, oder?

Einfacher, aber ein bisschen langwieriger ist der Selbsttest, bei dem du für zwei Wochen auf ein „verdächtiges“ Lebensmittel verzichtest. Zwei Wochen können lang sein, ja, aber vielleicht verändert sich dein Wohlbefinden dadurch merklich. Wenn du keinerlei positive Veränderung wahrnimmst, kannst du dieses Lebensmittel getrost wieder zu dir nehmen und ein anderes „verdächtiges“ Lebensmittel weglassen.

Zu erwähnen ist an dieser Stelle auch, dass Alkohol eine depressive Stimmung fördert und nicht, wie häufig angenommen, erst zur „Selbsttherapie“ von depressiven Verstimmungen getrunken wird. Es scheint umgekehrt zu sein. Menschen erkranken häufiger an Depressionen, je regelmäßiger sie Alkohol trinken.

 

4. Mangel an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen


Jodmangel– sehr umstritten, ich weiß. Fakt ist aber, dass ein Jodmangel zu einer vergrößerten Schilddrüse und zur Bildung von Knoten innerhalb des Organs führt. Das löst hormonelle Störungen aus, die Symptome verursachen, die wiederum bei Depressionen und Burnout vorkommen. Es könnte also Zusammenhänge geben.
Dagegen hilft es, jodiertes Speisesalz und Seefisch zu konsumieren.

Folsäure (Vitamin B9) – wird häufig auch nicht in ausreichendem Maße über die Nahrung aufgenommen. Ein Mangel hat eine erhöhte Homocystein-Konzentration im Blut zur Folge. Teilnehmer einer Studie aus Norwegen mit erhöhtem Homocystein-Wert litten doppelt so häufig an Depressionen wie die mit normalen Werten. Homocystein ist eine Aminosäure, für deren Abbau Folsäure benötigt wird.
Folsäure findest du in Hefe, Linsen, Eigelb, Petersilie, Sonnenblumenkernen, Spargel, Blattspinat, Tomaten und Rindfleisch.

Zinkmangel – wird unter anderem in Verbindung gebracht mit Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und… Überraschung, Depressionen.
Zink findest du in Haferflocken, Linsen, Mais, Käse, Rindfleisch und Lamm.

Vitamin D3 und B12
Vitamin D3 benötigen wir für die Herstellung von BDNF-Proteinen, das hatten wir ja schon. Für Vitamin D3 brauchen wir genügend Sonnenlicht. Deshalb sollte in Herbst und Winter eine Supplementierung in Betracht gezogen werden.

Ein Vitamin-B12-Mangel kann langfristig zu schwerwiegenden und auch irreversiblen neurologischen Schädigungen führen. Lass diesen Wert frühzeitig bestimmen, um kognitive Störungen, Depressionen und sogar Demenz effektiv entgegenzuwirken. Vitamin B12 findet sich in Eiern, Käse, Fisch und vor allem in Innereien wie Leber. Vegetarier können auf Chlorella-Algen ausweichen.

 

4.Chronische Entzündungen


Krankheiten wie Rheuma oder Multiple Sklerose scheinen aufgrund ihrer Entzündungen die Neigung zu Depressionen massiv zu erhöhen. Nicht, wie man vermuten könnte, aufgrund der Schwere der Krankheiten, denn andere schwere Krankheiten, die ohne Entzündungen verlaufen, haben nicht diese Auswirkungen. Entzündungen können die Ursache für ein Ungleichgewicht im Neurotransmitterhaushalt sein.

 

5. Umgang mit Sozialen Medien


Auch das überrascht wenig. Der häufig maßlose und bei vielen Menschen süchtige Umgang mit sozialen Medien gaukelt uns ein aktives Leben vor, da wir ja an vielen Leben partizipieren. Während wir auf der einen Seite das Gefühl haben, uns „was Gutes“ zu tun, wenn wir mal schnell bei Xing, Instagram, TikTok reinschauen, spüren wir unterschwellig, dass wir doch nur allein dasitzen und in unser Handy starren. Wir werden durch geschickte Algorithmen „verführt“, die es auf unser Belohnungssystem abgesehen haben. Dadurch treten Symptome einer klaren Sucht auf. Sucht kommt von Suchen, aber das, was wir suchen, werden wir sicher nicht auf Social Media finden!

Langfristig macht die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen glücklich. Echte Begegnungen, jenseits von Medien. Es gilt also, deinen Umgang mit deinem Handy mal kritisch zu beleuchten.

 

5. Ausreichender und erholsamer Schlaf


Zu einem wesentlichen Kriterium zur Depressionsdiagnostik gehören Schlafstörungen. Laut einem DAK-Gesundheitsreport aus dem Jahr 2017 schlafen 80 % der Erwerbstätigen in Deutschland schlecht, mit steigender Tendenz.

Auch hier spielen die Medien eine Rolle. Durch die dauernde Verfügbarkeit von Filmen und Serien bei Netflix, Amazon Prime oder YouTube verbringen wir viele Stunden vor dem Bildschirm, anstatt ins Bett zu gehen, wenn wir müde sind. Das blaue Licht der Monitore kann unseren Schlaf beeinträchtigen, weil es die Melatonin-Produktion hemmt und somit den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus stört.
Schalte den Fernseher eine Stunde vor dem Schlafengehen aus, um einen besseren Schlafrhythmus zu bekommen. Und informiere dich, wie du deinen Schlaf verbessern kannst, wenn du da Bedarf hast.

 

 

An dieser Stelle haben wir die dringende Bitte an dich, dass du deinen körperlichen Zustand selbstkritisch und ehrlich betrachtest. Lass alle Werte untersuchen, bei denen du die Vermutung hast, es könnte etwas nicht stimmen. Leider sind die meisten dieser Blutuntersuchungen keine Kassenleistung. Aber bevor du auf Verdacht irgendwelche Tabletten und Nahrungsergänzungsmittel nimmst, lohnt sich eine gewissenhafte Analyse. Ansonsten schießt du im Nebel auf Spatzen und das ist selten von Erfolg gekrönt. Und schlussendlich ist ein gesunder Körper, der durch mäßige, gesunde, abwechslungsreiche Nahrung, ausreichend Bewegung und Schlaf fit gehalten wird, die Basis unserer psychischen Gesundheit.